„Das habe ich nicht gewusst“ – können wir nun nicht mehr sagen. „Das ist mir egal“ – müssten wir sagen, wenn wir weiterhin Fleisch aus Massentierhaltung kaufen.
Das würde mir nach der Lektüre des Buches „Eating animals“ - „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer allerdings schwerfallen. Der Autor trägt nicht nur beeindruckendes Hintergrundwissen zusammen, wie in den letzten Jahrzehnten die Landwirtschaft zur Agrarindustrie wurde und Bauernhöfe zu seelenlosen Industrieanlagen der Massentierhaltung verkamen: „Zutritt verboten!“ –
Er zeigt auch, dass Tiere dort nur noch als Produktionsmittel gesehen werden, als Ware, die es möglichst schnell und gewinnbringend zu vermarkten gilt. Ethische Aspekte bei ihrer Haltung gelten als weltfremd. Und zwar in Ländern, die - zumindest in Weihnachtsansprachen - ihre christliche Tradition betonen, wo Haustiere gehätschelt und verwöhnt werden, wo mehr Geld für Haustierfutter ausgegeben wird als für die Welthungerhilfe. Gleichzeitig werden aber Tiere für die Massentierhaltung so gezüchtet, dass sie kaum mehr laufen können.
Woran haben wir uns schon gewöhnt? Was ist gesellschaftlich inzwischen „normal“? Dass Schlachten zum Martyrium für Tiere wird, die zu einem geringen Prozentsatz - der aber Hunderttausende pro Jahr bedeutet - lebendig die Schlachtverarbeitung durchlaufen, bis sie qualvoll verendet sind. Ganz zu schweigen von den Arbeitern in diesen Schlachthäusern, die unter unmenschlichen Bedingungen zu Gliedern einer ausgeklügelten Tötungsmaschinerie werden – damit es billig auf den Tisch kommt, unser sonntägliches Kottelet.
Foer lässt viele unterschiedliche Positionen zu Wort kommen: den Fleischproduzenten, den Geflügelfarmer, den Entwickler von Schlachthäusern, der sich vegan ernährt, ein Mitglied der Tierschutzorganisation PETA, die vegetarische Viehzüchterin. Er lässt sie erzählen von ihren Entscheidungen und Entwicklungen, ihren Erlebnissen und Gewissenskonflikten. So kann sich jede LeserIn selbst ein Bild machen. Und Foer hat akribisch recherchiert – wie die Vogel- und Schweinegrippe entstanden sind, wo die Gefahren der Massentierhaltung liegen, gesundheitlich, ökologisch, ökonomisch. Er ist nachts eingedrungen in Ställe, die hermetisch verschlossen und bewacht sind – und fragt immer wieder nach: Was in diesen Ställen sollte man denn nicht sehen? Oder: was gewinnen wir, wenn beim Festessen ein Truthahn auf unserem Tisch steht? Er lässt uns teilhaben an seinen eigenen Zweifeln und Überlegungen, die angestoßen wurden durch die Geburt seines Sohnes.
Wenn wir feststellen müssen, dass industrielle Tierhaltung zu Tierquälerei verkommen ist, wie können wir uns der Frage entziehen, die er stellt: Was habt ihr getan, als ihr die Wahrheit über das Essen von Tieren erfahren habt? Denn wir haben täglich bei unserem Einkauf die Wahl, ob wir Produkte der Massentierhaltung kaufen oder eben nicht und ob dadurch Verdienst und Macht dieses Sektors steigen – oder nicht.
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